"Verhandeln, prozessieren, sich gütlich einigen, sich einem Schiedsspruch unterwerfen, sich vergleichen. Das sind die klassischen Instrumente, den Frieden wieder herzustellen, wenn es zwischen Menschen oder Firmen zum Streit kommt. Jetzt ist ein weiteres dazugekommen: die Mediation.

() Auch die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, IHK, betreibt eine Schlichtungs- und Mediationsstelle. Und man bildet aus, der Mediatorenpool umfasst derzeit 170 Personen. Der Vorteil besteht darin, dass die Parteien in der Lage sind, nach dem Verfahren weiter normale Geschäftskontakte zu unterhalten, während sie nach einem Rechtsstreit üblicherweise als Feinde auseinander gehen.

Auch für Rechtsanwälte wird die Mediation zu einem immer wichtigeren Teil der juristischen Dienstleistung.

() Auch die Justiz hat die Vorteile der Streitschlichtung mit Hilfe eines Dritten längst entdeckt. 'Im Projektwege', so die Präsidentin des Landgerichts München I, 'werden die Parteien in der mündlichen Verhandlung gefragt, ob die Chance für eine Mediation besteht. Das meint eine private Einigung, bei der nur die Argumente zählen, nicht dagegen die Zivilprozessordnung (ZPO) und etwa die Frage, wer was zu beweisen hat und beweisen kann. 'Der Vorteil', so die Präsidentin des Landgerichts: 'Die Parteien können danach ihre Beziehungen ungetrübt fortsetzen, was auch für Firmen gelegentlich überlebenswichtig ist' ()"


Hans-Herbert Holzamer, Süddeutsche Zeitung, 09. September 2005

"() Ein Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass die Kontrahenten nicht in das Korsett des Prozessrechts gezwängt sind. Sie müssen ihre Bedürfnisse und Interessen, die sehr vielschichtig sein können, daher beispielsweise nicht auf dürre rechtliche Forderungen reduzieren. Solche Ansprüche sind oft genug lediglich Vehikel, um auf Umwegen etwas zu erreichen, worauf gerade kein Anspruch besteht. Außerdem bietet die Mediation die Chance einer "dritten Lösung". Während ein Gericht nämlich an die

Anträge der Parteien gebunden ist und abweichende Vorschläge auch dann nicht unterbreiten kann, wenn sie den Interessen beider Seiten eigentlich dienlicher wären, kennt die Mediation diese Beschränkungen nicht. So können die Beteiligten durchaus Lösungen finden, die ihren Anliegen mehr entsprechen, als die Zuerkennung eines bestimmten Anspruches. Damit werden sogar Ergebnisse möglich, die beiden Seiten Vorteile bringen ()."

FAZ vom 23. Oktober 1998: Die Mediation im Wirtschaftrecht soll Zeit und Kosten sparen


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